Theater in Hohentengen: Kunststoff Ensemble spielt eine skurrile psychiatrische Wohngruppe

Die 15 Mitwirkenden des Kunststoff Ensembles freuen sich auf die Aufführungstermine der Komödie 'Neurosige Zeiten'am 27. und 28. April sowie 4. und 5. Mai, um 20 Uhr, in der Mehrzweckhalle Hohentengen. Rechts knieend Regiseur Roderich Stelter. Bild: S. Gems-Thoma

von Sabine Gems-Thoma

Das Kunststoff Ensemble Hohentengen führt das Stück "Neurosige Zeiten" auf. Die Aufführungen sind am 27. und 28. April sowie 4. und 5. Mai in der Mehrzweckhalle zu sehen.

Was ist normal und wer ist hier eigentlich verrückt? Mit ihrem neuen Stück „Neurosige Zeiten" nach Winnie Abel geht das Kunststoff Ensemble unter der Regie von Roderich Stelter der Sache auf den Grund und wird sicherlich wieder für einen nachhaltigen Heiterkeitserfolg sorgen. Die Aufführungen sind am 27. und 28. April sowie 4. und 5. Mai, 20 Uhr, in der Mehrzweckhalle in Hohentengen. Einlass ist ab 19 Uhr.

Nach einer Bürostube, einem Ozeanriesen und einem Fitnessstudio geht es mit dem vierten Stück in eine skurrile psychiatrische Wohngruppe. Hier spielt die Komödie um Insassen und Besucher der offenen Wohngruppe.

„Es sollte ein lustiges Stück sein und das ist es effektiv“, sagt Regisseur Roderich Stelter, verantwortlich auch für die Stückauswahl. „Durch unverhofften Besuch wird der Alltag der Wohngruppe durcheinander gewirbelt, so dass man schlussendlich nicht mehr weiß, wer ist hier überhaupt noch normal.“

Die Zuschauer erwartet ein 120 Minuten Stück in drei Akten. „Wir hoffen natürlich, dass alle so viel Spaß haben wie wir bislang in den Proben.“ Die laufen bereits seit November, ab Januar zweimal wöchentlich und intensiv an zwei Probenwochenenden. Mitwirken werden wieder Roderich, Petra und Lukas Stelter, Stefanie Hüsler, Roger Harrer, Bernd Feser, Franziska Burmeister, Kerstin Bauer, Markus Kaiser, Philip Brandl und neu Liesa Sutter. Nicht dabei ist diesmal Martin Meierhofer. Bereits im Einsatz sind auch Maskenbildnerin Gitta Stärk, Kulissenbauer Thomas Bauer und die Techniker Pacco Rabl und Jörg Burmeister. Nach vier intensiven Theaterjahren hintereinander ist allerdings klar, nächstes Jahr wird definitiv pausiert.

Karten für die vier Aufführungen gibt es im Vorverkauf bei Edeka-Wagner unter Telefon 07742/923 10. Reserviert werden können Karten auch unter karten@kunst-stoff-ensemble.de, Abholung bei Edeka-Wagner.

SÜDKURIER vom 12.04.2018

Irrungen und Wirrungen in der psychiatrischen Klinik: Stück des "Kunst Stoff Ensembles" Hohentengen feiert Premiere

von Sandra Holzwarth

Wie empfängt man Besuch in einer Irrenanstalt, ohne dass der Besuch merkt, dass man in einer Irrenanstalt wohnt? In der "Psychiatrischen Klinik Hohentengen" lebt Agnes Adolon. Als sich Mutter Cecile Adolon zu Besuch ankündigt, müssen die Mitpatienten kurzerhand in andere Rollen schlüpfen – Ein Angriff auf die Lachmuskeln.Mit seinem neuen Theaterstück "Neurosige Zeiten" hat das Kunst Stoff Ensemble aus Hohentengen wieder einen Volltreffer gelandet. Bei der Premiere präsentierten sich die zwölf Akteure auf der Bühne einmal mehr in absoluter Hochform.

Was Regisseur Roderich Stelter und seine Schauspieltruppe aus dem Drehbuch zum Lustspiel von Winnie Abel erarbeitet hatten ist wahrhaft großes Theater. Jede einzelne Rolle wurde perfekt umgesetzt und gespielt von Akteuren, die mit viel Herzblut und Liebe zum Detail auf der Bühne agierten.

Die Fans des Kunst Stoff Ensembles waren mit großen Erwartungen zu den ersten Aufführungen am vergangenen Wochenende gekommen und wurden nicht enttäuscht. Auch bei ihrem vierten Theaterprojekt brillierte das Ensemble auf der Bühne der Mehrzweckhalle in Hohentengen.

Mutterbesuch in der psychiatrischen Anstalt

Wie empfängt man Besuch in einer Irrenanstalt, ohne dass der Besuch merkt, dass man in einer Irrenanstalt wohnt? Der Bühnenstoff bot eine Menge Potenzial, verlangt von den Darstellern aber auch schauspielerische Höchstleistungen. Immerhin präsentierte beinahe jede Rolle des Dreiakters einen außergewöhnlichen Charakter mit sehr speziellen Ticks, die es herauszuarbeiten galt. Das haben die Mitglieder des Ensembles ausnahmslos hervorragend bewältigt. Ein Kompliment verdienen aber auch die Akteure hinter der Bühne ebenso wie Moderator Jörg Burmeister für wirklich gelungene Theaterabende.

Mit Öffnung des Bühnenvorhangs fanden sich die Zuschauer in einer offenen Wohngruppe der Psychiatrischen Klinik Hohentengen. Dort lebt Agnes Adolon, (gespielt von Stefanie Hüsler) Tochter einer reichen Hoteldynastie, wegen ihrer ausgeprägten Sexsucht, was ihre Familie auf keinen Fall erfahren darf.

Wer ist hier eigentlich wirklich verrückt?

Zu allem Überfluss erscheinen dann auch noch Tupperberaterin Herta (Kerstin Bauer), Beschäftigungstherapeut Rolf (Markus Kaiser) Volksmusikstar Hardy Hammer (Roderich Stelter) und Bild-Reporterin Friedericke Stutzke (Liesa Sutter) unangekündigt auf der Bildfläche. Und dann gibt es plötzlich noch eine Leiche, deren Anwesenheit schnellstens unter den Teppich gekehrt werden muss. Die Situation in der Wohngruppe wird immer verzwickter und alles muss hinter dem Rücken von Psychiater "Dr. Dr. Schanz" (Bernd Feser) passieren. Ein Vorhaben, das nach hinten losgehen muss.

Eine mitreißende Komödie mit sympathisch-spleenigen Figuren, bei der sich die Zuschauer immer wieder fragen: Wer ist hier eigentlich verrückt? Und was heißt überhaupt normal?

Wer dieser Frage mit auf den Grund gehen möchte, hat am 4. und 5. Mai noch Gelegenheit in Neurosige Zeiten einzutauchen. Karten im Vorverkauf gibt es bei Edeka Wagner in Hohentengen. Interessierte müssen allerdinge gewarnt sein. Der Angriff auf die Lachmuskeln ist heftig.

(SÜDKURIER vom 02.05.2018)

Wer ist denn hier nun wirklich verrückt? "Tupper-Herta" ist jedes Mittel recht um sich gegen die Irren zu verteidigen (von links): Franziska Burmeister, Moritz Stelter und Stefanie Hüsler, Kerstin Bauer und Philip Brandl. | Bild: Sandra Holzwarth
Brillant: Philip Brandl in der Rolle des Soziophoben Willi. | Bild: Sandra Holzwarth
Philip Brandl und Franziska Burmeister eroberten als Patienten der psychiatrischen Wohngruppe das Publikum im Sturm. | Bild: Sandra Holzwarth
Wer ist denn hier nun wirklich verrückt? Tupper Herta ist jedes Mittel recht um sich gegen die Irren zu verteidigen (von links): Franziska Burmeister, Moritz Stelter und Stefanie Hüsler und Kerstin Bauer. | Bild: Sandra Holzwarth
Moritz Stelter und Bernd Feser auf der Bühne als Patient und Psychiater ein hervorragendes Darsteller-Duo. | Bild: Sandra Holzwarth